Das Einzelunternehmen: Das solltest du vor der Gründung darüber wissen!

Rund 2,15 Millionen Einzelunternehmer gibt es momentan in Deutschland. Warum die Gründung eines Einzelunternehmens so attraktiv ist und viele weitere Dinge, die du vor der Gründung deines Einzelunternehmens wissen solltest, verrate ich dir in diesem Beitrag.

Die Gründung eines Einzelunternehmens ist so beliebt, wie keine andere Rechtsform in Deutschland. Knapp 79% aller Gewerbeanmeldungen im Jahr 2017 haben sich für die Gründung eines Einzelunternehmens entschieden. Doch was ist ein Einzelunternehmen überhaupt?

Was versteht man unter einem Einzelunternehmen?

Unter einem Einzelunternehmen versteht man Unternehmen, die von lediglich einer Person gegründet werden. Dem Einzelunternehmer gehört sein Geschäft zu 100%, er trifft also all seine Entscheidungen alleine. Er ist dazu berechtigt, Mitarbeiter zu beschäftigen. Den Begriff Einzelunternehmen ist in Deutschland nicht im Gesetz definiert. Man versteht verschiedene Rechtsformen unter diesem Begriff.

Was sind die Vor- und Nachteile eines Einzelunternehmens?

Prinzipiell gibt es keine Voraussetzungen für die Gründung eines Einzelunternehmens. Anders als bei der GmbH, UG oder der AG haftest du mit deinem gesamten Privatvermögen im Schadensfall. Solltest du dich mit einem Partner zusammenschließen, ist eine Umänderung in eine andere Geschäftsform unumgänglich. Alle Vor- und Nachteile auf einen Blick:

Vorteile:

  • unkomplizierte Gründung
  • meist keine Eintragung in das Handelsregister notwendig
  • Alleinige Entscheidungsgewalt
  • geringe Gründungskosten

Nachteile:

  • keine Haftungsbeschränkung
  • geringe Kreditwürdigkeit
  • Ohne Änderung der Rechtsform können neue Eigentümer nicht akzeptiert werden

Für wen ist die Gründung eines Einzelunternehmens sinnvoll?

Wer schnell und mit relativ wenig bürokratischen Aufwand eine Firma gründen will, liegt mit der Wahl eines Einzelunternehmens richtig. Bereits für sehr wenig Geld lässt sich die Anmeldung deines Gewerbes durchführen. Abhängig von der dann gewählten Rechtsform ist beispielsweise auch keine aufwändige Buchhaltung, Veröffentlichung der Geschäftszahlen notwendig.

Diese verschiedenen Rechtsformen gibt es!

Es gibt drei Arten von Rechtsformen für Einzelunternehmen mit unbegrenzter Haftung. Dazu zählen:

  • der Kleingewerbetreibende
  • der Freiberufler
  • der eingetragene Kaufmann (e.K.)

Während Kleingewerbetreibende und Kaufleute zu den gewerblichen Einzelunternehmen zählen, gehören Freiberufler nicht dazu. Ein Freiberufler betreibt ein nicht  gewerbliches Einzelunternehmen und die Vergabe dieser Rechtsform ist an bestimmte Berufe verknüpft. Diese sind:

  • Rechtsanwälte, Steuerberater, Apotheker, Heilpraktiker, Journalisten, Berater, Notare

Was ist ein Kleingewerbe?

Ein Kleingewerbe ist ein Handelsunternehmen, dessen Betreiber nicht den Bestimmungen des Handelsrechts unterliegen. Mit der Gründung eines Kleinunternehmens spart man sich die Eintragung in das Handelsregister, die doppelte kaufmännische Buchführung sowie die Bilanzierung. Zudem findet hier das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) Anwendung.

Wichtig:
Kleinunternehmer sind keine Kaufleute – aber sie gelten als Unternehmer! Beispielsweise können Sie sich bei Geschäftsaktivitäten nicht auf den Verbraucherschutz verlassen. Auch auf den das 14-tägige Recht des Widerrufs hast du lediglich bei privaten Einkäufen.

 

Was ist ein eingetragener Kaufmann?

Wie der Name bereits sagt, trägt sich ein eingetragener Kaufmann in das Handelsregister (Abteilung A) ein. Er betreibt somit ein Handelsgewerbe und das Handelsgesetzbuch (HGB) findet für ihn Anwendung. Auch die doppelte kaufmännische Buchhaltung und die Bilanzierung müssen von einem eingetragenen Kaufmann erledigt werden. Anders als beim Kleinunternehmer ist es zudem möglich Zweigniederlassungen zu erstellen. Sollte sich ein Kaufmann mit anderen Personen zusammenschließen, muss er eine OHG oder eine GbR gründen.

Was ist ein Freiberufler?

Einige bestimmte Berufsgruppen nehmen aufgrund ihrer Tätigkeit von Anfang an einen Sonderstatus ein. Diese Berufe sind im §18 Absatz 1 des Einkommensteuergesetz geregelt. Diese müssen so zum Beispiel keine Gewerbeanmeldung ausführen und auch von der Gewerbesteuer werden sie in der Regel befreit. Eine Liste aller Berufe findest du hier.

Wie läuft die Gründung eines Einzelunternehmens ab? Die Anleitung


Der richtige Name

Vor der Gründung deines Einzelunternehmens solltest du dir unbedingt Gedanken über den Namen deines Businesses machen. Beachte, dass du als Kaufmann einen Namen deiner Wahl verwenden darfst. Als Freiberufler oder auch Kleingewerbetreibender ist das nicht möglich. Hier muss der eigene Name verwendet werden. Bevor du deinen Namen endgültig festlegst solltest du noch folgende Dinge beachten.

  • Bleibt der Name im Gedächtnis?
  • Vermeide Begriffe mit negativen Assoziationen
  • Achte darauf, dass dein gewählter Name keine Namensrechte verletzt
  • Achte darauf, das sich der Name deiner Firma leicht aussprechen lässt
  • Checke im Internet, ob noch eine passende Domain verfügbar ist
  • Passt der Name zu meiner Tätigkeit?

Eröffne ein Geschäftskonto

Prinzipiell ist das Eröffnen eines Geschäftskontos für ein Einzelunternehmen nicht verpflichtend. Wer zu Beginn nicht allzu viele Aufträge hat, kann also durchaus auch mit seinem privaten Konto starten. Früher oder später ist jedoch auf jeden Fall sinnvoll, ein Geschäftskonto zu eröffnen. Auf diese Weise kannst du Kontobewegungen besser nachvollziehen und hast prinzipiell einen besseren Überblick über deine Ausgaben und Einnahmen.

Beantrage einen Gewerbeschein

Der nächste Schritt ist das Beantragen eines Gewerbescheins. Um dein Unternehmen offiziell führen zu dürfen ist dieser unabdingbar. Das Dokument wird bei dem für dich zuständigen Gewerbeamt ausgestellt. Von zu Behörde zu Behörde ist die Vergabe des Gewerbescheins unterschiedlich geregelt. Welche Behörde in deiner Stadt für die Ausgabe des Gewerbescheins zuständig ist, erfährst du am schnellsten über einen Anruf in dem für dich zuständigen Rathaus. In vielen Gemeinden kann man sich bereits online den Antrag für die Gewerbeanmeldung herunterladen und schon zu Hause ausfüllen.

Für die Anmeldung solltest du unbedingt deinen Personalausweis, die Gewerbeanmeldung und den Gebühr für die Erstellung des Scheins mitbringen. In der Regel werden Kosten von 15 bis 60€ für die Gewerbeanmeldung veranschlagt.

Eintrag in das Handelsregister

Kaufleute benötigen nach der Anmeldung ihres Unternehmens unbedingt einen Eintrag in das Handelsregister (Abteilung A). Dein Unternehmen wird von dem für dich zuständigen Registergericht geprüft und vergibt dann anschließend eine Nummer an dich. Diese muss auf all deinen geschäftlichen Unterlagen erscheinen. Wenn du Freiberuflich bis oder auch mit der Kleinunternehmerregelung arbeitest, kannst du diesen Schritt einfach übergehen.

Anmeldung beim Finanzamt

Alle Einzelunternehmer müssen sich beim Finanzamt melden und eine Steuer-ID beantragen. Im Formular kannst du eine von drei verschiedenen Varianren auswählen. Diese sind:

  • Vorauszahlungen
  • Gewinnermittlung
  • Kleinunternehmerregelung

Bei der Vorauszahlung übermittelst du die geschätzten Umsätze für das Gründungsjahr. Hieraus ermittelt das Finanzamt die Höhe der Vorauszahlungen, die du für die Einkommens- sowie Gewerbesteuer leisten musst. Da nicht jeder abschätzen kann, wie hoch deine Umsätze im ersten Jahr sein werden, können diese Zahlen auch nachgereicht werden.

Bei der Gewinnermittlung musst du all deine Ein- und Ausgaben erfassen, um diese erstellen zu können. Hier kannst du aus folgenden Instrumenten wählen. Einerseits kannst du die Daten auf Grundlage deiner Bilanzierung ausführen. Auch eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung ist hier möglich.

Die dritte Möglichkeit ist die Kleinunternehmerregelung. Unternehmen mit geringen Umsätzen können auf eine Abführung von Umsatzsteuer verzichten. Das ist jedoch nur möglich, wenn der maximale Umsatz 22 000€ nicht überschreitet.

Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft

Die Berufsgenossenschaften übernehmen die Unfallversicherung für Firmierungen bzw. deren Angestellter. Aufgrund dessen muss jedes Einzelunternehmen nach der Gründung innerhalb einer Woche bei der Berufsgenossenschaft angemeldet werden. Wichtig zu wissen ist, dass keine Beträge fällig werden, solange es keine Angestellte gibt und sich der Geschäftsführer nicht freiwillig versichern lassen will.

Anmeldung bei der Industrie- und Handelskammer

Normalerweise wird mit der Gewerbeanmeldung auch automatisch die IHK informiert und diese sendet dir dann einen Antrag und diverses Material zur Unterstützung und Förderung deines Businesses zu. Solltest du diese Unterlagen nicht automatisch erhalten, musst du dich mit der für dich zuständigen IHK in Verbindung setzen.

Anmeldung bei der Agentur für Arbeit

Sofern du Mitarbeiter beschäftigt, ist eine Anmeldung bei der Agentur für Arbeit notwendig. Hier erhälst du eine Betriebsnummer, die du benötigst, um deine Angestellten bei der Sozialversicherung und auch der Krankenkasse anzumelden. Wenn du keine Mitarbeiter hast, kannst du diesen Schritt übergehen.

Anmeldung für die Sozialversicherung

All deine Angestellten musst du bei den Sozialversicherungen anmelden und monatlich deinen Beitrag für diese einzahlen. Dazu gehören folgende Versicherungen:

  • Krankenversicherung
  • Arbeitslosenversicherung
  • Rentenversicherung
  • Pflegeversicherung
  • Unfallversicherung

Selbstständig tätige Künstler und Publizisten haben die Aussicht einer Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse, die den „Arbeitgeberanteil“ der Versicherungsbeiträge aus Bundesmitteln übernimmt.

Weitere Genehmigungen

Je nach Art deines Betriebs musst du auch noch weitere Genehmigungen einholen. Solltest du ein Restaurant aufmachen benötigst du zum Beispiel eine Schanklizenz, um Alkohol verkaufen zu dürfen. Am besten erkundigst vorab, welche weitere Lizenzen für dein Business notwendig sind.

Steuern beim Einzelunternehmen

Unabhängig von der Höhe des jährlichen Umsatzes zahlen Einzelunternehmen folgende Steuern:

  • Gewerbesteuer
  • Einkommenssteuer
  • Umsatzsteuer (ausgenommen Kleinunternehmerregelung)

Die genauen Regelungen habe ich hier einmal zusammengefasst.

Oft gestellte Fragen rund um die Gründung eines Einzelunternehmens

Immer wieder tauchen Fragen rund um die Gründung eines Einzelunternehmens auf. Ich verrate dir, was du sonst noch wissen musst über das Einzelunternehmen.

Benötige ich eine Betriebsnummer?

Eine Betriebsnummer benötigst du lediglich, wenn sie planen für ihren Betrieb Mitarbeiter einzustellen. Solltest du bereits bei der Gewerbeanmeldung angeben, dass du Mitarbeiter anstellst, wirst du automatisch eine Betriebsnummer erhalten. Wenn du erst später eine benötigst, musst du diese bei der zuständigen Arbeitsagentur anfordern.

Wie ist die Geschäftsführung bei einem Einzelunternehmen geregelt?

Wie der Name Einzelunternehmer schon sagt, bist du alleiniger Chef. Du kannst also bestimmen und entscheiden, ohne dich mit irgendjemanden abstimmen zu müssen.

Muss ich mich als Einzelunternehmer in das Handelsregister eintragen?

Nur eingetragene Kaufmänner müssen sich in das Handelsregister (Abteilung A) eintragen. Die Eintragung macht auch durchaus Sinn. Gegenüber anderen Geschäftspartnern ist der Eintrag in das Handelsregister ein Zeichen von Seriosität.

Wie ist die Gewinnverteilung bei einem Einzelunternehmen?

Die Gewinnverteilung bei einem Einzelunternehmen ist sehr einfach. Da nur einer Person das Unternehmen gehören kann, erhält der Inhaber 100% des Gewinns. Bei Freiberuflern und beim eingetragenen Kaufmann ist das genauso.

Wie kann ich als Einzelunternehmer meine Haftung reduzieren?

Aufgrund der privaten Haftung ist die Gründung eines Einzelunternehmens immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Wer dieses Risiko nicht eingehen möchte, sollte über eine 1-Personen GmbH, UG bzw. AG nachdenken. Für diese wird zwar ein gewisses Stammkapital sowie eine höhere Gebühr für die Erstellung fällig, jedoch haftet man im Schadensfall lediglich mit seiner Einlage.

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